Mittlerweile finden fast jeden Morgen bunte Werbeblättchen mit dem Umweg durch den heimischen Briefkasten den Weg in die Altpapiertonne. Diese morgendliche Routine erfreut weder die Endverbraucher noch die werbenden Firmen.
Nicht der böse Wille der Firmen ist der Grund für die Flut der Werbung, welche die Post im Briefkasten zur Nebensache werden lässt, sondern Ideenlosigkeit und das Festhalten an veralteten Werbemaßnahmen. Gute Marketingmitarbeiter wissen, dass Kundengruppen möglichst genau identifiziert werden sollten, um hohe Streuverluste zu vermeiden. Streuverluste sind nicht nur ärgerlich, sondern auch kostenintensiv. Wahlloses Werben in allen erdenklichen Medien verschenkt neben einer Menge Geld auch den eigentlich gewünschten Effekt. Um die Gruppe der potenziellen Kunden möglichst genau zu identifizieren, lassen sich über diverse Marktforschungsinstrumente potenzielle Käufergruppen ermitteln und in Zielgruppen gliedern. Definiert werden solche Gruppen meist durch soziodemografische Merkmale. Kriterien für die Bestimmung sind zum Beispiel das Alter, Familienstand, Beruf, Haushaltseinkommen und Wohngegend. Ein Autohaus kann beispielsweise an Hand der Zulassungszahlen genau erkennen, in welchem Bereich der Stadt die Werbung für seine Marke am meisten Sinn macht. Faktoren wie Einkommen und Familiengröße spielen hier eine wichtige Rolle. Streuverluste können minimiert und die Art der Kampagne angepasst werden. Allerdings finden trotz Minimierung der Streuverluste immer noch geschätzte 80% der Briefkastenwerbung den Weg in den Mülleimer.
Selbst genaue Einschätzungen der Kundengruppen sind nur der erste Schritt zu erfolgreichem Marketing, denn das „Wo“ steuert noch lange nicht das „Wie“. Klassische Lösungen wie Zeitungen, Magazine, TV und Radio bleiben eine beliebte Art zu werben. Allerdings kämpfen die klassischen Werbeträger und –medien gegen stetige Verluste am Werbemarkt, gegen Informationsüberflutung und Werbeträgheit. Beispiele verfolgen uns durch den ganzen Alltag. Fernsehabende werden zur nervenaufreibenden Werbesendung mit Filmunterbrechungen und eine Autostrecke von 10 km ohne Werbung zu fahren, ist kaum möglich. Der richtige Werbeeffekt wird dadurch nicht erzielt. Marketingleute setzen daraufhin des Öfteren auf hohe Frequentierung. Das treibt die Kosten nach oben und überwindet die Wahrnehmungsschwelle des Konsumenten nur in Einzelfällen.
Aber die Herausforderungen sind ähnlich wie in der Printindustrie, nur anders verpackt. Denn „klassische Probleme“ gibt es auch hier bereits. Standardbanner und Skyskraper führen aufgrund der immer gleichen Platzierung bei den Usern zu einem sogenannten Blindness Effekt – sprich: die Werbebanner werden wenig oder gar nicht wahrgenommen. Das Gehirn blendet sie quasi aus. Von Vorteil ist dabei, dass die Transportkosten zum Mülleimer wegfallen. Ansonsten gleicht diese Möglichkeit dem üblichen Weg vom Briefkasten in die Altpapiertonne. Wie sollen die Produkte also ihre zukünftigen Käufer erreichen. Das Mittel dazu ist Werbung, soviel ist sicher. Aber wo und wie ist die Frage. Ein Trend ist zielgruppenorientiertes Onlinemarketing. Eine Entwicklung, die mit Spannung abzuwarten bleibt. In Berichten über zielorientierte Werbung findet momentan allerdings noch die Schlacht der Schlagworte statt. Effektive Lösungen sind kaum zu finden. Jeder redet über Social Media, aber kaum einer hat bislang verstanden, dass Twitter und Co nicht automatisch Aufträge generieren, sondern vielmehr Werkzeuge zur Kundenbindung sind. Es geht nicht um die Höhe der Follower, sondern um die Intensität der Bindungen. Sicher ist auch, dass in Zukunft die Schlacht um die Kunden nicht mit „Ohrfeigenwerbung“, sondern mit gezieltem Feingefühl gewonnen wird. Nur wer seine Kunden kennt, kann auch richtig werben. Richtig werben heißt, neue Wege zu gehen – die Kunden auf die eigene Seite zu bringen. Der Kauf des Produktes folgt dann auf dem Fuße.

